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Das Licht von unten

Heute erlebt:

Es war ein stiller, warmer Moment im Alltag. So einer, der nichts Besonderes sein will und genau deshalb hängen bleibt. Ich erzählte meiner Nachbarin, wie sehr ich den Schnee liebe. Über Nacht war er wieder nach Berlin gekommen. Leise. Selbstverständlich.

Sie sagte, sie liebe den Schnee auch. Und dann sagte sie etwas, das mich wirklich traf: Sie nehme wahr, dass Menschen während der Schneezeit besser aussehen. Wegen des Lichts von unten. Dieses Licht, das vom Schnee zurückkommt und die Schatten aus den Gesichtern nimmt.

Ich staunte. Und seitdem lebt dieser Satz in mir. Ich zelebriere ihn: das Licht von unten.

Je länger ich ihn bewege, desto mehr öffnet er sich. Wir schauen so oft nach oben. Zum Himmel. Zu Ideen. Zu Erwartungen. Zu dem, was wir noch werden wollen. Und dabei übersehen wir manchmal uns selbst. Und einander. Wir vergessen, dass da etwas ist, das uns trägt.

Das Licht von unten fühlt sich an wie der Ursprung. Wie etwas ganz Reines, das noch keine Schatten wirft. Klar und still. Vielleicht kalt- und doch wärmend. Kein forderndes Licht. Kein blendendes. Sondern eines, das einfach da ist.

Ich denke dabei auch an die, die unter der Erde liegen. An all die Verstorbenen, die in der Muttererde ruhen. Still. Friedlich. Vielleicht hoffend, dass wir Lebenden unseren Weg gut gehen. Dass wir verbunden bleiben. Mit dem Leben. Mit der Erde. Miteinander.

Der Satz spannt für mich ein Band zwischen unten und oben. Zwischen Muttererde und uns, die wir auf ihr gehen. Zwischen Alltag und Spiritualität. Zwischen dem, was uns ernährt, und dem, was uns aufrichtet.

Der Schnee macht dieses Licht sichtbar. Er vereinfacht. Er nimmt das Zuviel. Er lenkt nicht ab, sondern hin. Zum Wesentlichen. Er lässt uns schauen. Spielen. Staunen. Er holt etwas Kindliches zurück. Und etwas Sanftes.


Oma und Enkel, 2026


Vielleicht erinnert uns das Licht von unten daran, langsamer zu werden. Bodennäher. Ehrlicher. Zu spüren, dass wir nicht alles erreichen müssen - sondern manches nur wahrnehmen.

Dass Schönheit nicht von oben kommen muss. Dass Klarheit aus der Erde steigen darf. Und dass das Leben manchmal genau dort leuchtet, wo wir gelernt haben, nicht hinzusehen.

Ja, und es ist da.

Fühlen Sich sich gut.

Jutta Poppe

www.juttapoppe.de


„Das Licht von unten ist ein Geschenk,

das uns liebt und trägt.“

Jutta Poppe, 2026 

(ein Geschenk, dem ich heute nachfühlte)


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